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Nur 1,6 Prozent Zinsen, aber in Yen

Fremdwährung nur für Baufinanz-Spekulanten

Berlin - Seit Jahren versuchen einige Finanzierungsmakler, das Fremdwährungsdarlehen bei der Baufinanzierung in Deutschland populär zu machen. Geworben wird meist für Kredite in japanischem Yen oder Schweizer Franken, weil deren Zinsen niedriger sind als beim Euro. So gibt es variable Baudarlehen in Yen schon ab 1,6 Prozent, beim Franken ab 1,8 Prozent.

"Laut Nationalbank wird ein Viertel aller Kredite eines Landes in dieser Form ausgereicht", versucht "Baufinanz Bayern" auf ihrer Homepage, dem Fremdwährungsdarlehen den Exoten-Charakter zu nehmen. Die nebulöse Formulierung im Klartext: Das Land heißt Österreich, und dort scheint Währungsspekulation auf Kredit ein Volkssport für Häuslebauer zu sein. Sonst liegt der Anteil dieser Finanzvariante in Euro-Land nur im minimalen einstelligen Prozentbereich.

So auch in Deutschland, wo sich der Durchschnitts-Bauherr die Österreicher nicht zum Vorbild nimmt. Zwar spricht man bei Baufinanz Bayern von einem "deutlich gestiegenen" Finanzvolumen in Yen und Franken. Doch auf Nachfrage wird die Zahl der abgewickelten Finanzierungen mit 20 pro Woche angegeben. Auch beim Offenburger Finanzierungsmakler Intercapital spielen Franken- und Yen-Kredite mit 15 Prozent eine untergeordnete Rolle im Abschlussvolumen. Außer diesen beiden Maklern sind nur wenige freie Kreditvermittler in dem Segment tätig, Banken und Sparkassen halten sich zurück.

Mittlerweile ist das österreichische Phänomen selbst der dortigen Nationalbank suspekt. So warnte jüngst deren Vize-Gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell vor noch mehr Fremdwährungs-Baugeldvolumen: "Wir sehen es als unsere Aufgabe, über deren Risiken aufzuklären." Die sind erheblich, wie eine Studie der Nationalbank über diese "Sonderform der Währungsspekulation" zeigt. Der Schuldensaldo des Kunden ist direkt an den Devisenmarkt gekoppelt. Fällt der Kurs der Fremdwährung, profitiert der Schuldner davon. Steigt der Kurs hingegen, werden die Schulden höher - eventuell mit dem Risiko der Zwangsversteigerung. In den letzten zwei Jahren verzeichnete der Yen eine Schwankungsbreite von 30 Prozent. Der Franken schwankt moderater, bietet aber dafür weniger Zinsvorteil.

Doch selbst diese Einsparung wird teils durch hohe Nebenkosten wie Provisionen und unterschiedliche Kurse bei An- und Verkauf der Währung aufgefressen. Weil selbst der variabel verzinste Yen-Kredit derzeit nur 2,5 Prozentpunkte weniger Zins als im Euro (fünf Jahre Zinsbindung) kostet, macht es keinen Sinn, das sichere Eigenheim auf schwankendem Währungsfundament zu finanzieren. Weiteres Risiko: Nach der Kursrally 2003 zeigt der Euro wieder erste Schwächetendenzen - Fremdwährungen dürften zur Aufwertung neigen. Selbst Anbieter Intercapital rät derzeit von Yen-Finanzierungen ab.
Thomas Hammer


Artikel erschienen am 14. Sep 2003